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Psychosoziale Unterstützung weiter nötig

31.03.2005, 14:50 Uhr

Foto: SbE e.V.

„Im Alltag noch nicht angekommen“

100 Tage nach dem verheerenden Seebeben in Südostasien hat die Bundesarbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Unterstützung (BAG PSU) die gemeinsame Hotline „Hilfe für Helfer“ abgeschaltet. „Es gibt noch zwei Einsätze, die wir durchführen müssen, die Akutphase ist jedoch abgeschlossen“, so Oliver Gengenbach, Koordinator der Hotline. Mehr als 260 Helfer und in Einzelfällen auch Katastrophen erfahrene Journalisten hatten von der Hotline und dem Angebot der Psychosozialen Unterstützung Gebrauch gemacht. Die Helfer gehören zu acht großen Organisationen, die nach dem Seebeben in Südostasien Ende Dezember 2004 im Einsatz waren. Bundesweit standen 80 Einsatznachsorgeteams des Malteser Hilfsdienstes e.V., der Deutschen Gesellschaft für Post-Traumatische Stress-Bewältigung (DGPTSB e.V.) sowie der Bundesvereinigung Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen (SbE e.V.) zur Einsatznachsorge und Betreuung zur Verfügung.

Vor allem die Betroffenen und Angehörigen brauchen weitere Hilfe. „Viele sind noch nicht wieder im Alltag angekommen – für sie ist das Geschehen 'erst' drei Monate her. Man muss damit rechnen, dass sie weiterhin Unterstützung und vor allem Ansprechpartner benötigen“, erläutert die Psychologin Clivia Langer. „Erfahrungen nach anderen Katastrophen zeigen, dass sich die Symptome bei rund 40% der Betroffenen festsetzen können.“ Auch in der mittelfristigen Phase nach der Katastrophe könnten noch Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Reizbarkeit auftreten, so die Expertin. Bei Kindern, die häufig die erlebten Szenen immer wieder spielen, sei es sinnvoll, sie hierbei nicht abzulenken – Kinder könnten so das Erlebte im Spiel verarbeiten. „Wir empfehlen jedem Hausarzt, bei der Erhebung der Krankengeschichte sensibel darauf zu achten, dass ein Patient vielleicht das Seebeben miterlebt hat, damit die belastenden Symptome nicht nur medizinisch behandelt werden, sondern auch die Hilfestellung gegeben werden kann, die es den Betroffenen möglich macht, wieder im Alltag anzukommen“, so Langer.

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