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Reanimation im Weltraum

14.04.2010, 10:05 Uhr

Fotos: ESA und H. Scholl

Notfallmedizinische Versorgung beim „Mars500“-Projekt

Gestern wurde im Simulatorzentrum der Universitätsmedizin Mainz das „Mars500“-Projekt vorgestellt. Die europäische Weltraumagentur ESA und das russische Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP) haben begonnen, sich sorgfältig auf neue Herausforderungen in der bemannten Raumfahrt vorzubereiten. Zu diesem Zweck starten ESA und IBMP im kommenden Frühsommer eine simulierte Mission „Mars500“ im IBMP-Forschungszentrum in Moskau. Zu dem komplexen Projekt zählt u.a. auch die Fragestellung, wie medizinische Notfälle ohne fachliche Hilfe von außen zu bewältigen sind. Eine Gruppe um Univ.-Prof. Dr. Dr. Wolf Mann, Direktor der Hals-, Nasen-, Ohren-Klinik und Poliklinik – Plastische Operationen, und Univ.-Prof. Dr. Christian Werner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, hat dazu Antworten und ein Konzept entwickelt und somit als einzige deutsche Gruppe im Bereich Notfallmedizin eine Zusage zur Teilnahme am Mars500-Projekt erhalten. Die Finanzierung erfolgt durch eine Projektförderung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Höhe von 257.000 Euro.

Laut Experten werden noch einige Jahrzehnte vergehen, bis eine Mission zum 50.000.000 km entfernten Mars möglich ist, die 250 Tage für den Hinflug, 30 Tage Aufenthalt auf der Oberfläche des Mars und 240 für den Rückflug erfordern wird – insgesamt ca. 520 Tage. Dabei wird die sechsköpfige Crew über anderthalb Jahre extremen physischen und psychischen Faktoren ausgesetzt sein. „Die Chance einer Unterstützung bei der Rettung Erkrankter oder Verletzter von der Erde aus ist sehr gering, da die Kommunikation nur mit erheblicher Zeitverzögerung von rund 20 Minuten pro Strecke funktionieren wird“, berichtete Univ.-Prof. Mann. „Daher muss die Besatzung lernen, vollständig autark zu überleben. Insbesondere da alles passieren kann, was sonst auch möglich ist. Im Extremfall muss die Crew sogar in der Lage sein, ein Crew-Mitglied zu reanimieren. Eine speziell für Langzeitmissionen entwickelte Ausbildung der Astronauten ist geradezu überlebensnotwendig“, ergänzte Univ.-Prof. Dr. Christian Werner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie.

Bevor die künftigen Test-Astronauten in ihre „Mars-WG“ einziehen, werden sie im Rahmen einer dreitägigen Erstausbildung vor Ort in Moskau von einem fünfköpfigen Ärzteteam aus Mainz trainiert. RETTUNGSDIENST wird in einer der kommenden Ausgaben ausführlich über das ebenso interessante wie spannende „Mars500“-Projekt berichten. (Scholl)

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