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Rettungsdienst fährt in Baden-Württemberg zu selten zum Traumazentrum

19.09.2016, 13:16 Uhr

Foto: R. Schnelle

SQR-BW legt Qualitätsbericht 2015 vor

Die Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg (SQR-BW) hat heute ihren vierten Qualitätsbericht vorgelegt. Neben allgemeinen Informationen und Kennzahlen zum Rettungsdienst in Baden-Württemberg werden darin auch die Ergebnisse der Qualitätsindikatoren dargestellt, darunter erstmals berechnete Indikatoren zu geeigneten Transportzielen sowie zur Arbeit in den Leitstellen. Dort wurden z.B. die Gesprächsannahmezeit bei Rettungsdiensteinsätzen (zwischen 5 und 11 Sekunden) sowie die Erstbearbeitungszeit erfasst. Bei der Letztgenannten, also dem Zeitintervall von Eingang des Notrufs bis zur Alarmierung des ersten Rettungsmittels, gebe es zwischen den einzelnen Leitstellen große Unterschiede, heißt es in dem Bericht. Die Ergebnisse bewegen sich zwischen 1:16 und 3:10 Minuten.

Über drei Viertel der Notarzteinsätze anhand verschiedener Angaben zum Patientenzustand in der notärztlichen Einsatzdokumentation seien auch indiziert gewesen. Dabei liege die Notarztindikation durch die Leitstellen kaum niedriger als bei vor Ort befindlichem Rettungsfachpersonal im Rahmen von Nachforderungen. Um das Datenmodell im nächsten Jahr um eine dritte Datenquelle (neben Leitstellen- und Notarztdaten) zu ergänzen, wird zum 1. Januar 2017 eine überarbeitete Datensatzversion für präklinische Behandlungsdaten veröffentlicht, der MIND 3.1. Auch die Einführung der Einsatz- und Behandlungsdokumentation auf RTW nach einem einheitlichen Datensatz soll in Kürze erfolgen, Grundlage werde auch hierfür der MIND 3.1 sein. Indikatoren für die „Hohe Qualität der Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter im Rettungsdienst“ sollen in den Bericht aufgenommen werden, sobald auf Landesebene weitere Beschlüsse und Empfehlungen zu Befugnissen und zum Einsatzspektrum von Notfallsanitätern getroffen worden sind.

Die Werte der Kapnometrie bzw. Kapnographie bei Intubation haben sich gegenüber dem Vorjahr um 7,5% auf 80,3 % verbessert. Dennoch komme die Kapnometrie in einigen Rettungsdienstbereichen nur bei jeder zweiten, an einigen Notarztstandorten sogar nur bei jeder dritten Intubation zur Anwendung. Einzelne Standorte hätten bei keiner einzigen Intubation eine Kapnometrie dokumentiert. Die einzelnen Maßnahmen des Standardmonitorings bei Notfallpatienten, also EKG-Ableitung, Blutdruck- und SpO2-Messung, werden laut Bericht für sich betrachtet wesentlich häufiger angewendet als in Kombination (74,9%). Bei Erkrankungen wird der Indikator signifikant häufiger erreicht als bei Verletzungen (78% vs. 64%). Eine Blutzuckermessung erfolge leider auch bei Patienten mit GCS < 8 in nur 84,3% aller Fälle. Bei einem Polytrauma werde in mehr als die Hälfte der indizierten Intubationen nicht durchgeführt. Eine HWS-Immobilisation erfolge in 58,7% der indizierten Fälle, ein Standardmonitoring in 84,4% durchgeführt. Die Anlage eines parenteralen Zugangs erfolge nahezu immer (96,9%). Der primäre Transport in die nächste geeignete Klinik werde beim Polytrauma nur in 72,1% durchgeführt, davon würden 44% in ein regionales und 56% in ein überregionales Traumazentrum gefahren/geflogen werden. Besonders in Rettungsdienstbereichen, in denen nicht mindestens ein regionales Traumazentrum vorhanden sei, liege das Indikatorergebnis teils deutlich unter dem Landeswert. Es ist damit das schlechteste aller Transportzielindikatoren. An den nächsten geeigneten Kliniken lag es nicht, ihre Aufnahmebereitschaft lag bei allen Transportzielindikatoren bei ca. 99%.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Stumpf + Kossendey Verlag, 2020
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