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Rund 1.100 Einsatzkräfte beim G20-Gipfel im Dienst

15.12.2017, 12:49 Uhr

Foto: K. von Frieling

Größte Herausforderung für die Feuerwehr Hamburg


Sehr ereignisreiche, arbeitsintensive und herausfordernde Tage rund um das Treffen der Staats- und Regierungschefs der zwanzig größten Wirtschaftsnationen liegen hinter der Feuerwehr Hamburg. Vorausgegangen waren eine nahezu anderthalbjährige intensive Planungs- und Vorbereitungs­phase mit weitreichenden Abstimmungen sowie der Einsatz während des OSZE-Ministerratstreffens im Dezember 2016. Gestaltete sich das Einsatzaufkommen der Feuerwehr Hamburg sowie der unterstützenden Organisationen zum OSZE-Ministerratstreffen noch recht überschaubar, so wurde die Feuerwehr Hamburg zum G20-Gipfel gerade in der Phase vom 6. bis zum 9. Juli 2017 intensiv im Einsatzdienst gefordert.

In diesem Zeitraum bewältigte die Feuerwehr Hamburg insgesamt 3.648 Einsätze. Im Zusammenspiel sowohl mit den Hamburger Hilfs­organisationen als auch mit externer Unterstützung von auswärtigen Berufsfeuerwehren, der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) wurden hiervon 478 Einsätze mit einem konkreten Bezug zum G20-Gipfel durchgeführt. Diese Einsätze umfassten 305 Rettungsdiensteinsätze, 161 Brandeinsätze sowie 12 sonstige Einsätze. Dabei ist ganz besonders herauszustellen, dass bei der unmittelbaren Einsatzdurchführung keine Angehörigen der Feuer­wehr Hamburg und der sie unterstützenden Einheiten verletzt wurden und es lediglich zu leichten Sachschäden an Fahrzeugen bzw. an einer Liegenschaft kam. In der Spitze waren allein 710 Kollegen der Berufsfeuerwehr im Dienst. Rechnet man die ebenfalls in den Bereitstellungsräumen im Dienst befindlichen Einheiten der Berufsfeuerwehr sowie der zahlreichen Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs, der Hilfsorganisationen sowie die externen Unterstützungseinheiten im Bereich Analytische Task Force (ATF), Objektschutz, Behandlungsplatz (BHP)/Patiententransport-Zug (PTZ), Fernmeldekomponenten und Brandsicherheitswache hinzu, so waren an den Gipfeltagen in der Spitze 1.132 Einsatzkräfte der nicht-polizeilichen Gefahren­abwehr im Dienst. Eine sehr beeindruckende Zahl, die die Bedeutung und die Wertigkeit der Aufgabe der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr unterstreicht.

Weitere Einheiten der Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs wären darüber hinaus im Einsatzfall zeitnah verfügbar gewesen. Dabei gilt es festzuhalten, dass die Feuerwehr Hamburg durch ihre umfassenden und weitreichenden personellen, technischen und organisatorischen Maßnahmen dafür Sorge getragen hat, dass einerseits das Treffen der G20-Teilnehmer adäquat abgesichert wird und andererseits die Versorgung der Bevölkerung in vollem Umfang und in der gewohnten Qualität aufrechterhalten bleibt. Trotz der schwierigen und komplexen Gesamtkoordination ist die Einsatz­bewältigung sehr gut gelungen, da die Gesamtplanungen erfolgreich gegriffen haben und ein jeder Beteiligte eine hohe Leistungsbereitschaft gezeigt hat. Die Feuerwehr Hamburg war zu jederzeit verlässlich handlungsfähig und hatte auch für mögliche parallele, gleichzeitig stattfindende Schadenslagen sowohl im Rettungsdienst als auch im Brandschutz eine gute Vorsorge mit ausreichenden Reserven getroffen. In diesem Zusammenhang wird auf die gute Zusammen­arbeit mit den Hamburger Hilfsorganisationen und den externen Unterstützungseinheiten ausdrücklich hingewiesen. Ohne diese gut aufeinander abgestimmte Gemeinschaftsleistung wäre dieser größte planbare Einsatz der Feuerwehr Hamburg in der jüngeren Geschichte nicht in der notwendigen Qualität möglich gewesen.

Darüber hinaus ist sehr wichtig, dass all diese Planungen nicht ausschließlich für den G20-Einsatz vorgenommen wurden. Der G20-Einsatz war Anlass, bestehende Einsatzkonzeptionen sowie Fahrzeug- und Ausstattungskonzepte aufgrund der aktuellen Erkenntnisse, die bei der Bereisung sowohl von Dienststellen im nationalen als auch im europäischen Raum gewonnen wurden, anforderungsgerecht und adäquat weiterzuentwickeln. Damit wurden deutliche Verbesserungen der technischen Ausstattung, u.a. der Rettungsleitstelle und auch bei der Bewältigung von rettungsdienstlichen Großschadenslagen, erzielt, die nunmehr fortlaufend zur besseren Versorgung der Menschen in Hamburg bereitstehen. Abgerundet wurde die Vorplanung durch zahlreiche ämter- und behörden­übergreifende Stabsrahmen- sowie Vollübungen, die ebenfalls die Schlagkraft der Feuerwehr Hamburg für das tägliche Einsatzgeschehen deutlich optimiert haben. (Artikel erschienen in IM EINSATZ 6/2017)

Autor: Stephan Wenderoth, Stv. Amtsleiter und Leitender Branddirektor der Feuerwehr Hamburg

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