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Zahl der Hilfsfristüberschreitungen in Thüringen eklatant gestiegen

26.01.2018, 07:50 Uhr

Zahl der NEF-Einsätze nimmt hingegen deutlich ab


In den 18 Rettungsdienstbereichen in Thüringen wurden im Jahr 2016 in durchschnittlich 11,0% der Notfallereignisse die Hilfsfristen überschritten. Im Jahr 2010 betrug diese Quote noch 4,9%. Dies geht aus der Antwort des Ministeriums für Inneres und Kommunales auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Christoph Zippel (CDU) hervor (Drucksache 6/4923). Während die Zahl der Notfallereignisse in den genannten Jahren von 208.517 auf 231.538 stieg (+11,0%), ist bei den Hilfsfristüberschreitungen ein Anstieg von 10.110 auf 25.482 zu verzeichnen (+152,1%). In einigen Rettungsdienstbereichen ist diese Entwicklung bei den Hilfsfristüberschreitungen noch eklatanter. So stieg deren Zahl im Rettungsdienstzweckverband Ostthüringen von 1.572 im Jahr 2010 auf 7.917 im Jahr 2016 (+403,6%) und im Weimarer Land im selben Zeitraum von 373 auf 1.766 (+373,5%). Gleichzeitig sank landesweit die Zahl der NEF-Einsätze von 94.182 auf 85.690 (-9,0%).

Im Thüringer Rettungsdienstgesetz ist eine reine Fahrzeit von in der Regel 12 Minuten in dicht besiedelten und 15 Minuten in dünn besiedelten Gebieten vorgeschrieben. Das Landesverwaltungsamt als zuständige Rechtsaufsichtsbehörde benennt als Hauptgründe für das Nichteinhalten dieser Zeiten u.a. extreme Witterungsbedingungen, ungünstige Straßenverhältnisse, weite Anfahrtswege infolge des Einsatzes des Fahrzeuges aus einem angrenzenden Rettungswachenbereich oder auch Ereignisduplizität (Alarmierung eines im noch nicht abgeschlossenen Einsatz befindlichen Fahrzeuges zu einem Folgeeinsatz). Als letzter Grund wird „eine nicht dem Bedarf genügende Fahrzeugvorhaltung“ an einzelnen Rettungswachenstandorten aufgeführt. Verantwortlich für die Überschreitung der im Landesrettungsdienstplan vorgeschriebenen Hilfsfrist von insgesamt 14 Minuten in dicht besiedelten und 17 Minuten in dünn besiedelten Gebieten seien laut Landesverwaltungsamt gestiegene Alarmierungszeiten in der Zentralen Leitstelle (vorgegeben ist eine Minute) bzw. gestiegene Ausrückezeiten in der Rettungswache (vorgegeben ist ebenfalls eine Minute). Als Gründe werden u.a. auftretende Verständigungsprobleme und technische Störungen sowie ungünstige bauliche Gegebenheiten der Rettungswache genannt (zu lange Wege der Besatzung zum Rettungsmittel, technisch bedingte Verzögerungen beim Ausrücken des Fahrzeuges aus dem Rettungswachengelände).
 

Stumpf + Kossendey Verlag, 2020
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