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Zahl der Todesopfer steht in Bezug zur Spendenbereitschaft

02.10.2013, 09:19 Uhr

Foto: M. Sgt. J. Lock, USAF/Wikipedia

In Katastrophenfällen sollte andere Terminologie gewählt werden

Infolge einer Naturkatastrophe richten Menschen ihre Aufmerksamkeit bei der Entscheidung über die Höhe ihrer Spende stärker auf die Zahl der Todesfälle als auf die Zahl der Überlebenden. Dies zeigt eine im Magazin „Psychological Science“ veröffentlichte Studie der Rotterdam School of Management (RSM). Naturkatastrophen mit den meisten Todesfällen veranlassen Menschen, überproportional hohe Geldsummen zu spenden, anstatt sich auf jene Katastrophen mit den meisten Überlebenden zu konzentrieren, die dringend Hilfe benötigen.

„Obwohl Todesfälle schwere Auswirkungen auf die betroffene Gemeinde oder das Land haben, sollte die Katastrophenhilfe den betroffenen Überlebenden zuteilwerden – denjenigen, die infolge des Unglücks verletzt oder obdachlos sind oder Hunger leiden“, erklärt der leitende Forscher Ioannis Evangelidis von der RSM. Der Wissenschaftler untersuchte zunächst die humanitäre Hilfe, die für Naturkatastrophen zwischen 2000 und 2010 geleistet wurde. Er und sein Team fanden heraus, dass die Todesopferzahl die Wahrscheinlichkeit einer Spende und den Spendenbetrag von Privatpersonen mitbestimmt. Die Zahl der Überlebenden von Katastrophen schien hingegen keinen Einfluss auf den Spendenbetrag zu haben.

Die Forscher glauben, dass Spender bei der Entscheidung über die Höhe der Geldspende ihre Aufmerksamkeit eher auf die Zahl der Todesopfer richten, weil vor allem der Begriff „Überlebende“ nicht eindeutig ist. Die Voreingenommenheit von Spendern kann durch eine andere Terminologie abgebaut werden. Die Forscher fanden heraus, dass der Begriff „Überlebende“ gegen den viel weniger mehrdeutigen Begriff „Obdachlose“ auszutauschen sei, denn dann neigten die Betroffenen eher dazu, die Spenden nach der Zahl der Obdachlosen zu richten. „Vor allem die Aufmerksamkeit soll auf die Anzahl der Überlebenden in Not umgeleitet werden“, schließen Evangelidis und seine Kollegen. „Wir sind optimistisch, dass unsere Erkenntnisse dazu beitragen werden, die Hilfsmaßnahmen für Opfer von Katastrophen künftig zu verbessern.“

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