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Zukunft von Feuerwehr und KatS in Gefahr?

01.12.2014, 15:21 Uhr

Fotos: H. Scholl

Analytische Auswertung von Studien

Die Folgen des demografischen Wandels, d.h. mehr Alterung auf einen und weniger jüngere Menschen auf der anderen Seite, sind überall sicht- und spürbar. Das trifft auch und insbesondere auf die Leistungsfähigkeit des in der Bundesrepublik größtenteils ehrenamtlich getragenen Zivil-, Katastrophen- und Brandschutzes zu. Damit verbunden ist in den letzten Jahren die schwieriger werdende Gewinnung von freiwilligen bzw. ehrenamtliche Helferinnen und Helfern. Die Innenministerkonferenz beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit den Veränderungen im Ehrenamt und hat deshalb Teilstudien zur Lösung dieser Probleme in Auftrag geben, die nun vom Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso) in Saarbrücken analytisch ausgewertet und mit entwickelten Handlungsempfehlungen versehen wurden. Dabei kommen die Autoren Dr. Volker Hielscher und Lukas Nock zu der generellen Feststellung, dass das Ehrenamt unverzichtbar ist, allerdings unübersehbare Risse in dieser Säule des bundesdeutschen Gefahrenabwehrsystems zu sehen sind.

Eine Erkenntnis der Auswertung ist, dass Frauen, Migranten und ältere Menschen derzeit noch unterrepräsentiert sind und dass die Ansprache neuer Zielgruppen auch in Konkurrenz zu anderen Organisationen steht. Darüber hinaus ist eine Schlussfolgerung, dass zielgruppenorientierte Strategien sinnvoll sind, da sie einer interkulturellen Öffnung und eines funktionierenden Gender-Mainstreamings (Geschlechtergerechtigkeit) bedürfen. Eine intensive Diskussion der vorliegenden Handlungsempfehlungen erfolgt derzeit durch die Arbeitsgruppe „Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Bevölkerungsschutz“ der IMK. Auch sollen die Feuerwehren und Hilfsorganisationen die Öffentlichkeitsarbeit verbessern, ihre Arbeitspraxis interkulturell öffnen und auch niedrigschwellige Engagements in das Ehrenamt aufnehmen. Des Weiteren wird zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Bevölkerungsschutzes die Entwicklung einer Strategie empfohlen, die die Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern klärt und die Arbeitsteilung zwischen Katastrophenschutz-Organisationen überprüft, um Doppelstrukturen abzubauen und Synergieeffekte zu gewinnen. Letztlich wird auch empfohlen, das Verhältnis des ehrenamtlichen Engagements und der professionellen Kräften zeitgemäß auszubalancieren.

Die Studie steht als iso-Report-Nr. 3 zum kostenfreien Download auf www.iso-institut.de zu Verfügung. Mehr dazu in der IM EINSATZ im Februar. (Scholl)

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