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Modernisierung des Luxemburger Rettungsdienstes und Hilfeleistungssystems

18.10.2010, 09:39 Uhr

Foto: H. Scholl

Gutachten einer Expertengruppe mit zahlreichen Vorschlägen

Nach zahlreichen Vorfällen (RETTUNGSDIENST berichtete mehrfach) im Luxemburger Rettungsdienst und einem offenen Brief von neun Bürgermeistern aus dem Zentrum bzw. dem Osten des Großherzogtums im Sommer dieses Jahres hat Innenminister Jean-Marie Halsorf auf Grundlage eines Expertengutachtens eine grundlegende Optimierung und Modernisierung des gesamten Hilfeleistungssystems in der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr angekündigt. Neben dem Rettungsdienst soll auch die technische Rettung durch die Protection civile (Zivilschutz) und der Einsatz der Feuerwehr reformiert und verbessert werden. Das Gutachten einer Expertengruppe beinhaltet zahlreiche Vorschläge zur Optimierung des Hilfeleistungssystems und zur Leistungssteigerung des Rettungsdienstes in Luxemburg, der bis heute größtenteils auf dem Engagement von Ehrenamtlichen ruht, jedoch durch hauptamtliches Personal optimiert wird, bei paralleler Stärkung des Ehrenamtes. Gegenüber zurückliegender Organisationsstrukturen im Luxemburger Rettungsdienst sollen die Einsatzzentren nun fest mit Personal besetzt werden und nicht erst von Hause oder der Arbeitsstelle mit dem Privat-Pkw angefahren werden müssen, um einen Rettungswagen (RTW) zu besetzen.

Ende 2011 soll ein Gesetzesvorhaben eingebracht und im Laufe des darauffolgenden Jahres in der Abgeordnetenkammer verabschiedet werden. Die Planungen im Hilfsleistungssektor schlagen die Modernisierung durch einen Aufbau einer umfassenden Organisationsstruktur auf der Grundlage von Einsatzzentren mit unterschiedlichen Aufgaben vor. Demnach könnten oben die Centres de première Intervention (CPI), also lokale Einsatzzentren stehen, die die Erstmaßnahmen treffen. Eine Unterstützung könnte durch die Centres d’incendie et de secours de frenfort (CISR) erfolgen, die in urbanen Regionen und an Gefahrenschwerpunkten entstehen könnten. Für Gefahrstoffunfälle könnten die Centres d’incendie et des secours d’appui (CISA) implementiert werden, um auf Zwischenfälle in der chemischen Industrie und im radiologischen Betrieben gerüstet zu sein. Abgerundet werden könnte das umfassende Hilfeleistungssystem durch die Bases nationales (BN), die als Depots für Material dienen könnten. Dies ist derzeit allerdings ein reines Planungskonstrukt, um zu verdeutlichen, wie eine öffentlich-rechtliche und verwaltungsmäßige Organisation aussehen könnte.

Neben der Optimierung der Aus- und Fortbildung soll auch eine deutliche Aufwertung und Anerkennung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Feuerwehr und des Zivilschutzes erfolgen, wo ein bzw. vier Euro pro Stunde, in der Abhängigkeit der Art des Bereitschaftsdienstes, zu Hause oder in der Einsatzzentrale, gezahlt werden sollen. Die Hilfsfrist der Feuerwehr soll zwischen 10 und 15 Minuten liegen, wobei eine deutliche Stärkung der Freiwilligen Feuerwehren erfolgen soll, wozu 1,7 Mio. Euro veranschlagt werden. Die Feuerwehr bildet neben dem Rettungsdienst und dem Zivilschutz die dritte Säule des Hilfeleistungssystems im Großherzogtum.

RETTUNGSDIENST wird in einer der kommenden Ausgaben ausführlich über die weiteren Entwicklungen im Luxemburger Rettungsdienst und Hilfeleistungssystem berichten. (Scholl)

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